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Paul Debes dt.

 

Erforscher und Verbreiter des Buddhismus in Deutschland

*08.09.1906 Wuppertal Elberfeld.

†06.06.2004 Bindlach.

1906-1932 Als viertes von acht Kindern aus einem armen und bildungsfernen Elternhaus stammend, geht Paul Debes bereits im Jugendalter und während seiner kaufmännischen Ausbildung seinen auf innere Sammlung gerichteten Weg: Er schreibt Gedichte, nimmt auf eigene Initiative Lateinunterricht und sucht in den Schriften antiker Philosophen und christlicher Mystiker Antworten auf seine Fragen. Auf einer Radtour mit Freunden stößt P.D. schließlich in einem Antiquariat auf ein heute fast vergessenes 1920 erschienenes Buch von Hans Much: „Die Heimkehr des Vollendeten“. Die Lektüre wird zur entscheidenden Weichenstellung für sein Leben. Über dieses Buch findet er zu Karl Eugen Neumanns deutschen Übertragungen der Originaltexte des Pali-Kanon, und sehr bald steht sein Entschluss fest, sein Leben der Lehre des Buddha zu widmen.

Mit seinem Bruder Heinrich schifft P.D. sich 1931 auf einem Frachter von Triest nach Ceylon ein; Ziel ist die >Island Hermitage< auf Polgasduwa bei Dodanduwa, der der aus Deutschland stammende und in Myanmar ordinierte Mönch und Gelehrte Nyanatiloka Mahathera als Abt vorsteht. Doch P.D. macht die äußerst strenge, auf Vergehen und Tod fokussierte Meditationspraxis in völliger Abgeschiedenheit in Hütten und Höhlen im Dschungel zu schaffen, und so reisen die beiden Brüder nach einem guten halben Jahr mit neuem Erfahrungsschatz zurück nach Deutschland.

1932-1945 1932 mietet sich der nunmehr 26-jährige bei einer Dame in Großflottbek (Hamburg) ein und lernt deren Tochter Ina Foerster kennen. 1936 heiraten die beiden. Ina Foerster-Debes und P.D. werden fünf Kinder haben, das erste – Monika Debes – wird 1938 geboren. Zwei sehr verschiedene Milieus sind in Ina Foerster und P.D. aufeinander getroffen: ein über Generationen wohlhabendes, liberales und akademisch gebildetes Bürgertum und der zunächst autodidaktisch nach Wahrheit Suchende ohne bürgerliche Karriere. Das junge Paar beginnt ein Leben im Wohnwagen, P.D. vertreibt Natur-Artikel an Reformhäuser in Deutschland. Als Monika Debes zur Welt kommt, zieht die Mutter zurück zu ihrer Mutter, während P.D. in Berlin arbeitet und bald als Soldat einberufen wird. Der Krieg führt ihn in die Ukraine und nach Frankreich. Er kommt in britische Gefangenschaft, wird 1945 entlassen.
1945-1966 Seit 1943 lebt Ina Debes mit den Kindern und auch mit ihrer Mutter Ilse Foerster in einem von ihrer Familie erworbenen Haus in Großhansdorf (Villa am Hopfenbach). Nach dem Kriegsende arbeitet P.D. als Kreisjugendpfleger, aber sein Entschluss, sein Leben nur noch der buddhistischen Lehre und ihrer Verbreitung zu widmen, steht fest; zu Hause ist er nur Wochenend-Gast.

P.D. hält vielbesuchte Vorträge zu Themen wie Buddhismus als Brücke zwischen Religion und Naturwissenschaft; Christentum oder Buddhismus?; Vom Schein zum Sein; Was ist das mit der Gnade?; Das Schicksal erwächst aus dem Wesen des Menschen. Zusätzlich veranstaltet P.D. 14-tägige Seminare: „Streitlose Streitgespräche am runden Tisch“ mit katholischen Priestern, evangelischen Pfarrern und philosophisch Interessierten. 1950 gründet er das Publikationsorgan „Rundbriefe zur Orientierung in der Wirklichkeit“, das ab 1955 den Titel „Wissen und Wandel – Buddhistische Anschauung und Lebensführung“ trägt und in über 60 Jahrgängen erscheinen wird. Als Konrad Adenauer seine Deutschlandpolitik gegen Russland und einseitig an den USA ausrichtet und damit die Spaltung Deutschlands für lange Zeit besiegelt, gründet P.D. die von 1951 bis 1954 erscheinenden „Streitlosen Blätter“ und wandert mit einer kleinen Schar von Anhängern durch Deutschland unter dem Motto „Frieden durch Verhandeln“. Sein eigentliches Anliegen ist jedoch kein politisches. Drei Jahrzehnte lang führt P.D. 14-tägige bis 3-wöchige Forschungs- und Besinnungswochen an verschiedenen Orten in Norddeutschland durch. Hier hielt P.D. täglich mehrere Vorträge: mit leiser Stimme, stets frei ohne Manuskript, hoch konzentriert und während des Sprechens so nachdenkend, dass die Hörer unmittelbar in den Denkprozess eingebunden waren. Mitschnitte seiner Vorträge sind später von Freunden und Anhängern digitalisiert und auf youtube ins Internet gestellt worden (s. Publikationsliste).

Bereits 1948 wird von P.D. das „Buddhistische Seminar“ gegründet: erst mit Sitz in Großhansdorf, später am Berliner Tor in Hamburg. In diesem Rahmen hat P.D. Tausenden von Menschen die Lehre des Buddha nahegebracht und detailliert dargelegt. 1959 zieht das „Buddhistische Seminar“ nach Rohlfshagen bei Bad Oldesloe, nun als exklusivere Forschungsstätte, an der neben seiner späteren Frau Inge Anders seine Tochter Monika Debes und Irma Lübcke bis 1966 mitwirken. P.D. hat inzwischen nicht nur eine Philosophie, sondern auch eine Psychologie des Buddhismus als Systematik entwickelt. In Zusammenarbeit mit ihm und parallel zu ihm erforschen und verbreiten mittlerweile auch gelehrte Freunde und Wegbegleiter die ursprüngliche Lehre des Buddha in Deutschland: an vorderster Stelle Helmut Hecker und Fritz Schäfer.

1963/64 bereist P.D. Myanmar und Ceylon und kehrt noch einmal zum Kloster >Island Hermitage< zurück, wo er vor mehr als 30 Jahren meditiert hatte.

1966 zieht P.D. und mit ihm das Buddhistische Seminar nach Neugraben, 1974 nach Bindlach/Beng in Bayern.

1966-2004 1968 Tod von Ina Debes, geb. Foerster.  Ab 1976 lebt P.D., aus dem öffentlichen Leben weitgehend zurückgezogen, erst in Wangen am Bodensee, dann auf einem Bauernhof in Bindlach (Bayern). 1994 Heirat mit Inge Anders, seiner jahrzehntelangen Mitarbeiterin, die seine Schriften verwaltet und herausgibt.

 

Publikationen von Paul Debes (Auswahl):

1952 Debes antwortet dem Stoßtrupp gegen Bolschewistische Zersetzung. Gesellschaft für Gewaltfreie Zusammenarbeit. Die Streitlosen.
1955 ff. Wissen und Wandel. Rundbriefe zur Orientierung in der Wirklichkeit (später mit dem Untertitel Anschauung und Lebensführung nach Wegweisung des Buddha). Erscheint 2-monatlich, 6 Hefte pro Jahr. Herausgegeben von Buddhistisches Seminar.
1963 Das Dasein und seine Meisterung nach der Lehre des Buddha.
1979 Begriffe der Buddha-Reden mit Erklärung. = Wissen und Wandel, Bände 1 – 8. Hrsg. Buddhistisches Seminar.
1982 Meisterung der Existenz durch die Lehre des Buddha (2 Bände).
1987 Meditation nach dem Buddha – warum und was.
1999 Das zeitlose Wort vom Dasein (zusammen mit Hellmuth Hecker und Fritz Schäfer). Vlg. Beyerlein u. Steinschulte, Herrnschrot / Stammbach.
2005 Paul Debes beantwortet Fragen zu buddhistischer Anschauung und Lebensführung (2 Bände).

Mitschnitte von Vorträgen auf Ethik-Hörbuch (youtube):                                                                                                                              https://www.youtube.com/watch?v=zmTpuBrJ1M8                                                                                                        https://www.youtube.com/watch?v=xQFSYFHAsqg                                                                                                       https://www.youtube.com/watch?v=qYeLuVFtsYU

Publikationen über Paul Debes (Auswahl):

L. Nestler: Das buddhistische Seminar. Biographische Fragmente. 22019.
Volker Köppke (Bearbeiter): Die BGH (Buddhistische Gesellschaft Hamburg). 2019.
Buddhistische Gemeinschaft Schweiz: Paul Debes – http://www.theravada.ch/Theravada-Buddhismus/Grosse-deutschsprachige-Buddhisten/Paul-Debes/                                                  Paul Debes – Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Debes